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Gottes Mühlen mahlen langsam
Ölscheich für Genießer

Dietmar Amann und Bernadette Giesinger betreiben eine eigene Ölmühle. Gepresst wird ausschließlich im Kaltverfahren. Damit bleibt die Substanz erhalten.

 

 Rosi ist ganz sicher nicht die Schnellste. Das wäre auch nicht im Sinne ihrer Besitzer Dietmar Amann (55) und Bernadette Giesinger (54), denen es viel lieber ist, wenn ihre „einzigartige Dame“ in präzisester Langsamkeit ihre Arbeit verrichtet. Nicht umsonst ist Rosi eine Schneckenmühle, deren Aufgabe darin besteht, Kerne, Samen oder Nüsse zu hochwertigstem Öl zu vermahlen. Seit 2010 betreibt das ernährungs- und naturbewusste Paar ihre kleine Manufaktur in Götzis, in der mittlerweile rund 5000 Flaschen Öl im Jahr händisch abgefüllt werden.

 

Nicht über Körpertemperatur

 

Das Mahlgut, das aus ausgewählten Demeter-beziehungsweise Bio-Betrieben stammt, kriecht dabei durch die Spindel, um dann mit hohem Druck die fetthaltige Flüssigkeit herauszupressen. Durch die fortwährende Kühlung der Mühle ist garantiert, dass die Ingredenzien nicht über Körpertemperatur erhitzt werden und im Auslauf  knapp unter 28 Grad erreichen. „Damit bleiben die wertvollen Nährstoffe erhalten“, erklärt Dietmar Amann den Vorteil dieser Mahltechnik. Wenn – wie bei vielen Ölen – auf den Etiketten Begriffe wie kalt gepresst, vergin oder nativ stehen, heißt das nicht, dass die Auslauftemperatur auch tatsächlich niedrig war, gibt Dietmar Amann zu verstehen. „Aber genau das macht die Hochwertigkeit aus.“ Der Mittfünfziger scheut sich in dieser Hinsicht nicht, Öl ins Feuer der Billig-Konkurrenz zu gießen, die mit Extraktion und Raffinierung auf maximale Ausbeute zu Ungunsten der Qualität setzen würden. Da sind Dietmar Amann seine Lebensgefährtin von ihrer Philosophien schon überzeugt. Für die beiden ist nur das Beste gut genug. Manchmal steht die ausgebildete Klangmasseurin und Naturheiltherapeutin den ganzen Tag im Keller, um das Mahlgut per Hand in die Mühle zu schütten. „Das Pressen erfordert Geduld“, erklärt die 54-Jährige, dass etwa 25 Kilogramm Leinsamen benötigt werden, um daraus sechs Liter Öl herzustellen. Der Rest wird als sogenannter Presskuchen als Tierfutter verwendet. „Er eignet sich aber auch ideal für die Darmreinigung“. Drei Mühlen befinden sich mittlerweile in der kleinen Produktionsstätte, mit denen gut zwei Dutzend verschiedene Ölsorten gepresst werden. Sämtliche Erzeugnisse entsprechen der Schweizer Konvention für Rohkost und erfüllen damit strenge Kriterien.

 

Exotische Podukte

 

Amann, der auch als „Mondhoroskop-Mann“ von Antenne Vorarlberg bekannt ist, Ölscheich für Genießer Gottes Mühlen mahlen langsam Dietmar Amann und Bernadette Giesinger betreiben eine eigene Ölmühle. Gepresst wird ausschließlich im Kaltverfahren. Damit bleibt die Substanz erhalten. Bernadette Giesinger füllt das Mahlgut händisch ein. net sich selbst als freiheitsbetonten Typ, den es reizt, seine eigenen Süppchen zu kochen. Oder in seinem Fall besser gesagt, sich mit kalt gepresstem Öl auseinanderzusetzen. „Neben Luft, Wasser und Licht nimmt das Öl eine essentielle Stellung ein. Wir brauchen es zum Leben“, schwärmt der gebürtige Lustenauer. Im seit 14 Jahren existierenden Geschäft namens „Mondlaterne“ werden die Öle angeboten. Zu den meistverkauften Sorten zählen Leinsamen, Sonnenblume oder verschiedene Massageöle. Die Regale sind aber auch mit „Exoten“ wie Hanf-, Mohn-, Borretsch- oder Zitronenkernöl gefüllt. Ganz besondere Feinschmecker können sich an Trüffel- oder Pistaziengeschmack laben und für das kommende Jahr plant das Produzenten-Duo sogar Öl aus der Heil- und Gewürzpflanze Galgant anzubieten. Wenn Dietmar Amann über seine Leidenschaft erzählt, gehen seine Worte wie Öl runter. Der Schwergewichtler strahlt mit seinen 55 Jahren eine Dynamik aus, die auf eine positive Lebenseinstellung und einen bewussten Umgang mit dem Dasein zurückzuführen ist. Anders als sein Produkt ließ er sich nie in ein Schema pressen, sondern ging vielmehr seinen eigenen Weg. Mit Bernadette Giesinger fand er vor 17 Jahren seine ideale Lebenspartnerin, die sein freigeistiges Denken unterstützt. Das Paar liebt sowohl das Pure als auch das Spirituelle an der Natur, was sich auch in den Produkten widerspiegelt. Geschmacksverstärker oder künstliche Zusatzstoffe sind tabu, auch wenn dadurch die Haltbarkeit ihrer Öle beschränkt ist. Die beiden sind auch Anhänger des Schweizer Rohkostpapstes Urs Hochstrasser, der gesundes Essen zur „La Haute Cuisine Crue“ gekürt hat, die sich um die Vermittlung von Wissen über Wildpflanzen und deren traditionelle Anwendungen in Volksmedizin und Ernährung engagiert.
 

Speise- und Gesundheitsöle

Bei Dietmar Amann waren es erhöhte Blutzuckerwerte, die ihn sich näher mit dem Thema Lebensmittel beschäftigen ließen und ihn schließlich zu den Ölen hinführte. Vor zwei Jahren begannen die ersten zaghaften Versuche, ehe im Jahr 2011 das Geschäft durchstartete. Die hochwertige Qualität, die in der Ölmühle Götzis erzeugt wird, hat sich herumgesprochen. Zu den Kunden zählen unter anderem Bioladen-Besitzer, Gastronomen, aber auch Masseure oder Heilpraktiker. Denn manche Sorten sind nicht für den Verzehr, sondern zum Auftragen auf die Haut bestimmt. Bei solch einer Vielfalt könnte man ja schon beinahe von einem Ölmagnaten sprechen. Doch im Unterschied zum „schwarzen Gold“ lässt sich mit den liebevoll abgefüllten 100 bzw. 250-Milliliter-Fläschchen ganz sicher nicht das große Geld verdienen. Zumal Ölmühle Rosi ja – ganz im Sinne ihrer Besitzer – nicht die Schnellste ist. Gottes Mühlen mahlen eben langsam, dafür aber gerecht.

 

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